Taubertal-Festival 2019 Tag 3

TAUBERTAL-FESTIVAL 2019

Rothenburg ob der Tauber, 09.08.2019 bis 11.08.2019

Sonntag, 11. August 2019 – Finaltag

dsc01528_20190812_1633756789Kinners, wie schnell die Zeit vergeht. Da ist er, der Finaltag des diesjährigen Taubertal-Festivals. Wie immer viel zu früh aber nochmal mit gutem Line-Up und einem ordentlichen Kracher zum Abschluss: Die Toten Hosen geben sich die Ehre.

Das Wetter dreht Temperaturmäßig nochmal ordentlich auf – es scheint ein guter Tag zu werden. Kaum im Pressezelt angekommen der erste Dämpfer: Bei den Toten Hosen sind seitens der Bookingagentur nur ausgewählte Printmedien zugelassen. Ergo: wir dürfen nicht fotografieren – noch nicht mal vom Gelände aus. Shit! Na gut, es ist wie es ist. Dafür habe ich von Anfang an Zeit, die Toten Hosen mitzufeiern – und das werde ich!

Aber was steht heute noch so alles an? Wie immer die Siegerehrung des Emergenza-Wettbewerbes – mal sehen, welche Formation es heute aufs Siegertreppchen schafft. Auf der Hauptbühne sind zu sehen Nothing But Thieves, Bosse und natürlich Die Toten Hosen.

Auf der Sound-for-Nature Bühne gibt es dann noch zwei kleine verstecktes Bonbons Eskimo Callboy und Zebrahead sind am Start. Wenn wir es zeitlich schaffen gibt es einen Abstecher dorthin. Leider gibt es hier Überschneidungen mit der Hauptbühne.

Aber alles der Reihe nach. Der Tag startet mit den Zweitplazierten des Emergenza-Wettbewerbs: Die aus Frankreich stammende Band L’Araignée Au Plafond (auf Deutsch: Die Deckenspinne). Das Besondere an der 10köpfigen Formation: hier spielen Kinder, Eltern und Freunde gemeinsam. Der Auftritt der Deckenspinne hat was: Die Stimme, Mimik und Bühnenpräsenz der Frontfrau, talentierte Musiker, Rhythmen, die einem sofort ins Bein gehen und die Inszenierung der Band selbst auf der Bühne – alles eine Mischung aus Magie und Komik. Getragen wird die Show aber auf jeden Fall von der Bühnenpräsenz der Sängerin. Alles in allem wohl ein verdienter 2. Platz beim diesjährigen Wettbewerb.

Bilder vom Auftritt auf der Mainstage vom Emergenza zweiten

Kurz danach der Sieger des Wettbewerbes: Arata aus Norwegen. Eine Rockband, die aus zwei Musikern besteht: Nikolai Lysnes am Schlagzeug und Øyvind Lunde am Bass. Beides talentierte Musiker – aber irgendwie springt nicht bei jedem der dsc04229_20190812_1899466232Funke über. Nach 10 Minuten habe ich genug. Das irgendwann dann noch ein Sänger auftaucht, der die beiden Musiker unterstützt mit seinem ‚Gesang‘ war nicht abzusehen, konnte den Auftritt der beiden Herren auf der großen Bühne aber nicht wirklich noch rumreissen. Dafür ist zu wenig auf der Bühne passiert. Für mich persönlich einer der schwächsten Emergenza-Sieger der letzten Jahre.

Die diesjährige Nr. 1 des Emergenza Wettbewerbes in Bildern

dsc01377_20190812_1109112597Irgendwann startet der Finaltag des Festivals dann endlich mit Nothing But Thieves aus England. Sie machen sich auf, um die Herzen der Besucher zu stehlen mit ihrer Mischung aus emotionalem Gesang, gut eingesetzter Melancholie (Sänger Conor Mason’s leidvoller Gesichtsausdruck zeitweise kann einen zu Tränen rühren) und kräftigen Gitarren. Deutlich spürbar sind Vorbilder wie Muse oder Placebo und dennoch wirken Nothing But Thieves nie wirklich kitschig sondern jonglieren eher elegant mit den großen Emotionen

Nothing but Thieves in Bildern

Abmarsch Richtung Sound-of-Nature-Bühne. Nach so viel Melancholie muss Partystimmung her. Und wer könnte das besser garantieren als die Punk-Rock-Band Zebrahead aus La Habra/USA. Wehe, die Jungs dsc04472_20190812_1021556983werden von der Leine gelassen – dann heißt es Party bis zum Umfallen. Improvisierte MiniBar auf der Bühne, tanzende ‚Aliens‘ und jede Menge Spaß am Leben – das ist das Motto der 5köpfigen Band. Texte mit tiefschürfendem Inhalt darf man nicht erwarten – ist auch nicht notwendig. Zebrahead sorgen dafür, dass man die Zeit vergisst.

O-Ton Zebrahead: „We’re not political, we’re not out to save the world, if you listen to the lyrics it’s just about being yourself and having fun. …We want to keep this upbeat.“ Frei übersetzt ungefähr: „Wir sind nicht politisch und wir sind nicht da, um die Welt zu retten. Unsere Texte handeln davon, man selbst zu sein und Spaß zu haben. Wir wollen diese positive Lebensanschauung beibehalten.“

Die Herren bringen einfach jede Meute zum CirclePit, Stagediven oder Springen. Wer mehr will: das am 8. März veröffentlichte – mittlerweile 11. Studioalbum - Brain Invaders ist ein Vorgeschmack auf die im September anstehende Tour.

Die Partybilder gibts hier

dsc01487_20190812_1430283353Auf der Hauptbühne erwartet uns als nächstes Bosse. Wenn ich an den letzten Auftritt von ihm im Taubertal zurückdenke, erinnere ich mich, dass ich mir damals mehr Interaktion und das Nutzen der großen Bühnenfläche gewünscht hätte. Mal sehen wie es im Jahr 2019 aussieht. Als Co-Headliner für die Toten Hosen sicherlich ein interessanter Gegensatz. Genau diese Herausforderung ist es die Axel Bosse und Band annehmen und auch gut lösen. Er ist sich absolut bewusst, dass viele der vor der Bühne stehenden auf die Hosen warten – er schafft es, sie mit ins Boot zu holen um mitzufeiern. Auch interaktions- und performancetechnisch hat sich einiges getan. Es macht Spaß zusehen, wenn sich hier bei Musikern etwas tut und sie nicht starr in einem festgefahrenen Ablauf steckenbleiben. Er selbst erfüllt sich selber einen Wunsch, wie er erzählt: Die Besucher des Hangs in kurzer Zeit zum Aufstehen zu bewegen – gelungen bei Song 2. Seine Texte und seine Stimme sind für mich eine angenehme Ausnahme in der teils sehr weichgematschten Deutsch-Pop-Szene.

Für uns der letzte Act auf der Hauptbühne zum fotografieren an diesem Wochenende

Schnell zurück zur SfN-Bühne. Ich habe hohe Erwartungen an den nächsten Auftritt. Zumindest was die dB und die Stimmung angeht. Ich soll nicht enttäuscht werden! Kaum bin ich an der Bühne angekommen heißt es auch schon: Jetzt wirddsc04566_20190812_1922257015 es laut – von Anfang an. Wie Flummis erstürmen sich Eskimo Callboy die Bühne. Die Castrop-Rauxeler beweisen über das ganze Konzert hinweg, dass sie eine Liveband sind, die stimmungstechnisch sehr, sehr stark ist. Das beweisen nicht nur Fans auf der ganzen Welt sondern heute vor allem das Publikum vor Ort, das vom ersten Moment an die Band lautstark unterstützt und den Sound der Band feiert. Und dass trotz neu einsetzendem Regen.

Eskimo Callboy in Bildern

Fototechnisch war es das jetzt mit dem TTF für mich. Den letzten Act werde ich mir rein aus Besuchersicht ansehen: Die Toten Hosen sind DER Headliner des Festivals und werden von der bis auf den letzten Platz gefüllten Eiswiese sehnsüchtig erwartet. Es wird gemunkelt, was die Show alles zu bieten hat und die Aufbauten auf dem Gelände lassen einiges erwarten. Zum dritten Mal sind sie im Taubertal dabei, das letzte Mal ist gute 10 Jahre her.

Und dann heißt es warten – im Regen. 21:45 Uhr soll es losgehen, der Moment verstreicht und nix passiert. Bis 22:10 Uhr tut sich nichts auf der Bühne und eine leichte Unruhe ist spürbar. Wo bleiben sie? Dann endlich der erste Gänsehautmoment: Rechts und Links am Bühnenrand ziehen Banner mit dem Logo der Band hoch. Aber immer noch betritt niemand die Bühne, dafür startet auf der großen Videoleinwand im Bühnenhintergrund. Es zeigt, wie sich die Band mit einem Kleinwagen auf die Reise macht und sich dabei verfährt. Die Straßenkarten lässt erahnen, dass ihr Ziel das Taubertal ist – aber sicher kann man sich nicht sein. Als sie ihr Ziel ‚Taubertal‘ im Video nennen geht der Applaus los – und immer ist noch niemand auf der Bühne. Dann plötzlich sind die Herren da und legen los, ganz so, als wäre nichts gewesen. Opener des finalen Konzertes Bonnie und Clyde.

Ich hab den falschen Platz zum Feiern erwischt stelle ich fest. Zwar kann ich von der VIP-Bühne aus das Geschehen unter mir und auf der Bühne überblicken und sehen, aber so richtige Feierstimmung stellt sich nicht ein. Das sieht unten auf der Wiese ganz anders aus. Aber jetzt noch den Platz wechseln – chancenlos.

Campino, Andi, Breitti, Kuddel und Vom Ritchie bieten einen großen Querschnitt ihres musikalischen Repertoires, agieren mit den Fans und nutzen jeden Zentimeter der Bühne aus. Besonders die Videoleinwand wird stark in die Show einbezogen und bietet allerlei Abwechslung. LivePics Richtung Publikum, CloseUps der Musiker während des Konzertes und vieles mehr. Von der Lichtshow wollen wir gar nicht erst reden. Hier kommt noch einmal eine Mischung aus Traurigkeit und Wut auf, dass wir Euch hier keine Bilder zeigen können.

Beim ‚Videodreh für die interne Weihnachtsfeier‘, den Campino liegend auf der Bühne dreht wird auch klar, warum es später losging heute. Drummer Vom Ritchie wurde kurz vorm Auftritt nach einem Bienenstich bühnenfit gespritzt – er ist allergisch auf die Viecher. Jubelnder Applaus ist ihm daraufhin sicher und welcher Song könnte da besser passen als Steh Auf – den Campino ihm heute auch widmet.

Es folgen weitere Highlights, sowohl songtechnisch als auch showtechnisch. Bei Pushed Again zünden plötzlich mehrere rote Bengalo im Publikum. Es wird Schrei nach Liebe von der ‚jungen Nachwuchsband‘ Die Ärzte gecovert und und und. Und irgendwann, An Tagen Wie Diesen, ist es dann auch vorbei. Der letzte Song ertönt und die Menge löst sich auf.

Fazit Tag drei: ein fragwürdiger Emergenza-Sieger, laut, stark und ein gelungener Abschluss des Musik-Open-Airs.

 

 

Fazit Festival: Trotz Unwetter und dem Ausfall der Konzerte von Bullet For My Valentine und

The Offspring ein gelungenes Festivalwochenende. Wer mein diesjähriger Favorit ist? Diesmal absolut nicht vergleichbar die beiden Headliner. Beide Bands sind in ihrem Genre und mit Ihrer Bühnenshow auf absolutem Topniveau. Also ein klares Unentschieden. Insgesamt war das Wochenende eins der besten in den letzten 7 Jahren. Danke ans Taubertal!


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